Das Tentakelreich

Viele Informationen über das Reich der Tentakel können an dieser Stelle natürlich nicht gegeben werden – das würde den Lesegenuss der Romane doch arg einschränken. Daher soll an dieser Stelle ein Tentakel selbst zu Wort kommen: Ein Kapitel aus dem Roman „Tentakelschatten“, mit ein paar Gedanken eines Alien-Scouts über sich und seine Rolle…

Dass er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die daraufhin folgende Auseinandersetzung nicht überleben würde, gehörte zu den Fundamenten seiner Selbsterkenntnis. Er erfüllte seine Aufgabe weiterhin mehr oder weniger leidenschaftslos, und das Bedauern, dass er über seinen nahenden Tod empfand, blieb so begrenzt wie alle seine Gefühle. Außerdem gab es immer noch die Chance, das Aufeinandertreffen zu überleben, wenn sich die Kräfte des Gegners als unzureichend erwiesen. Das Scoutschiff war keine kleine Einheit, es war gebaut worden, um über einen möglichst langen Zeitraum eine Schlacht auch mit einem überlegenen Gegner zu überleben. Noch verfügte er nicht über ausreichend Daten, um dies realistisch abschätzen zu können. War das System nur schwach bewaffnet, würde er für eine weitere Mission zur Verfügung stehen. Wurden seine Erfahrungen hoch genug geschätzt, mochte sogar ein Kommando in einem Keimschiff möglich sein. Es gab Scoutpiloten, die das geschafft hatten, so sagte zumindest die kollektive Erinnerung. Der Eunuch war in jedem Falle zuversichtlich. Er besaß einen starken Selbsterhaltungstrieb, das gehörte zu den Voraussetzungen zur Erfüllung seiner Aufgabe. Also würde er alles in seiner Macht stehende tun, um zu obsiegen.

(…)

Der Eunuch richtete seine Sinne nach innen. Seit er in frühester Jugend in das elektronische Netz des Kokons gelegt worden war, hatte er diesen nicht mehr verlassen. Sein Körper war weitgehend bewegungsunfähig, seine Bedürfnisse wurden durch implantierte Zuleitungen befriedigt. Das Einzige, was er hin und wieder bewegte, war der Kopf mit dem Kranz aus Augen, der auf einer Stütze gebettet lag, während der Rest seines lang gestreckten, schlanken Körper schlicht ruhte. Er war kleiner, ja im Vergleich zu einem ausgewachsenen Gereiften nahezu verkümmert, da er seine Muskulatur nie verwendet hatte. Das Gel, mit dem seine Haut ständig gepflegt wurde, verhinderte ein wund liegen. Traten Schmerzen auf oder gar eine Erkrankung, sorgten die medizinischen Automaten für sofortige Behandlung und gleich bleibendes Wohlbefinden, um seine Konzentrationsfähigkeit zu erhalten. So war es seit seiner Geburt und während seiner Indoktrination gewesen und so würde es bleiben bis zu seinem Tode. Die Keimlinge, die seine Besatzung darstellten, verrichteten ihre Aufgabe ohne Probleme. 23 dieser anspruchslosen, semi-intelligenten Drohnen gehörten zu seinem Team, alle aufgrund ihrer besonderen Unterwürfigkeit und Zuverlässigkeit ausgewählt. Mochte ein Eunuch in seinem Kokon eine Auseinandersetzung möglicherweise auch überleben, ein Keimling hatte dieses Glück in der Tat nicht. Das lag nicht nur an seiner geringen Belastbarkeit – Schiffskeimlinge gingen nicht durch das gleiche genetische Aufzuchtprogramm wie Bodenkeimlinge -, sondern auch an seiner geringen Lebenserwartung. Diese Schiffskeimlinge wurden speziell für die Scoutmissionen gewachsen und sollte wider Erwarten ein Schiff einmal in Gefangenschaft geraten, würden sie eines natürlichen Todes sterben, ehe der Gegner herausgefunden hatte, wie man mit dem Volk zu kommunizieren hatte. Natürlich schränkte ihre geringe Lebenserwartung auch die Dauer einer Scoutmission ein. Der Eunuch würde sie binnen 48 Stunden abschließen müssen, weil er danach nur noch über ein begrenzt aktionsfähiges Schiff verfügen würde. Eunuchen töteten sich selbst. Dieser Reflex war ebenfalls genetisch in ihnen verankert. Die Nähe des Feindes ertrugen sie nicht lange, wurde sie gar physisch, gaben sie sich sofort den Tod. Mit ihnen verging der Kokon und damit jede potentielle Informationsquelle. Der Eunuch hoffte, dass es nicht so weit kommen würde. Er zog ein Ende im Kampf einer Gefangennahme in jedem Falle vor.

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